Der Schatten und seine Bedeutung

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Von Daniel Muhl

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Der Schatten verfügt über Eigenschaften, die wir sonst kaum finden:

- Man kann ihn nicht anfassen.
- Er enthält weder Atome, noch irgendwelche sonstigen Teilchen.
- Er ist nichts Wesenhaftes.
- Er ist nicht substanziell, aber auch nicht abstrakt.
- Seine Lage und Sein Erscheinen hängt von anderen Faktoren ab, nämlich vom Licht und dem Körper, der den Schatten wirft.
- In den meisten Fällen ist der Schatten die Fläche, die weniger Licht reflektiert, weil diese Fläche nicht direkt von der Lichtquelle beschienen wird.

Obwohl der Schatten nichts Wesenhaftes ist, erhält er von der Bibel eine nicht geringe Bedeutung. Es gehört zu den großen Wundern Gottes, dass er aus etwas, dem wir kaum Bedeutung zumessen, eine sehr beachtenswerte Angelegenheit macht. Man könnte den Schatten sehr unterschiedlich definieren. Eine davon wäre auch:

  • Der Schatten ist die Fläche, die von der Hauptlichtquelle nicht direkt angestrahlt wird.

Eigenschaften und Bedeutung

Der Schatten zeigt die Tageszeit an

Wer den Verlauf des Schattens beobachtet, kann die aktuelle Zeit erkennen. Schon zur Zeit der Könige gab es eine Sonnenuhr, welche die aktuelle Zeit anzeigte.

  • ELB 2Kö 20:9 - Jesaja sagte: Dies wird dir das Zeichen vom HERRN sein, dass der HERR das Wort, das er geredet hat, tun wird: Soll der Schatten an der Sonnenuhr zehn Stufen vorwärtsgehen, oder soll er zehn Stufen zurückgehen?

An dieser Stelle wird auch deutlich, dass der Herr auch über die Zeit regiert und nach Bedarf, die Zeit auch zurückdrehen kann oder zumindest die Länge eines Tages jederzeit verändern kann.
Die Beobachtung des Schattens, gibt also über die aktuelle Tageszeit Auskunft. Ebenso kann man durch das Beobachten der "Zeichen der Zeit" erkennen, wie weit die Nacht fortgeschritten ist. Die letzte Zeit kann durch die gesellschaftliche Veränderung, die sich wie ein Schatten vergrößert, erkannt werden:

  • 2Tim 3:1-2 - Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden; 2 denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, usw.

Durch die Zunahme des Bösen, vergrößert sich auch der Schatten des Bösen.

Der Schatten als Schutz

Menschen, die in einem heißen Klima leben, empfinden den Schatten als angenehm und wohltuend. Auch in der Bibel, wird der Schatten oft als ein Ort des Schutzes und der Annehmlichkeit bezeichnet:

  • ELB Jon 4:6 - Da bestellte Gott, der HERR, einen Rizinus und ließ ihn über Jona emporwachsen, damit Schatten über seinem Kopf sei, ihn von seinem Missmut zu befreien. Und Jona freute sich über den Rizinus mit großer Freude.
  • Wer unter dem Schatten eines Daches als Gast Sitz genommen hat, soll auch vor bösen Einflüssen geschützt sein (1Mo 19:8).

Auch wenn die Sonne in der Bibel durchaus einen positiven Charakter hat, auch wenn sie die Grundlage für das Leben ist, so können wir uns doch nicht ohne Unterbruch ihren Strahlen aussetzen. Wir brauchen auch den Schatten, als Schutz vor der Sonne. Die Hitze wird auch mit dem "Schnauben der Gewalttätigen" verglichen und in dieser Situation, ist Gott den Armen und Geringen ein Schatten:

  • Jes 25:4-5 - Denn du bist dem Geringen eine Festung gewesen, eine Festung dem Armen in seiner Bedrängnis, eine Zuflucht vor dem Wolkenbruch, ein Schatten vor der Hitze. Denn das Schnauben der Gewalttätigen ist wie ein Unwetter im Winter, 5 wie Hitze in einer dürren Gegend.

Wenn in einer dürren Gegend, wo man sich nicht abkühlen kann, wo kaum Wasser zu finden ist, auch noch eine große Hitze auftritt, dann ist das kaum auszuhalten. Genauso ist auch das Schnauben der Gewalttätigen. Das Schnauben der Bösen beinhaltet oft Verwünschungen, Verfluchungen und Drohungen und das in einer sonst schon schwierigen Zeit. Wenn ein SS-Offizier einen ausgehungerten und völlig entkräfteten KZ-Sträfling noch beschimpft, dann ist das mit der Hitze in einer dürren Gegend zu vergleichen. Genau in solchen Situationen ist der Herr ein Schatten für die Geringen. Wie sich dieser positive Schatten auf die Einzelnen auswirkt, ist für uns größtenteils nicht erkennbar. Manchmal schenkt der Herr einen inneren Frieden, eine innere Ruhe oder die Betroffenen spüren eine große Geborgenheit. Andere bekommen plötzlich die große Gewissheit, unmittelbar vor dem Eintritt in die ewige Herrlichkeit zu stehen. Vielleicht war das auch bei den Christen der Fall, die singend in die Löwenarena einzogen. Das Überschatten des Allmächtigen wirkt sich unterschiedlich aus und nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Unsere Vorstellung einer Überschattung, wäre eher die Errettung vor den Löwen, wie das bei Daniel der Fall war. Doch wenn man mit einer großen inneren Ruhe und mit der Gewissheit, in die ewige Herrlichkeit einzutreten, vor die brüllenden Löwen tritt, dann ist das auch eine Überschattung des Allmächtigen.
Deshalb erstaunt es auch nicht, wenn der Begriff tsêl (+06738) manchmal auch mit Schutz übersetzt wird (4Mo 14:9). Ebenso findet man im Schatten Zuflucht (Ri 9:15) und David konnte sich im Schatten der Flügel seines Gottes verbergen (Ps 17:8). Auch in Ps 36:8 können wir lesen, wie sich die Menschenkinder im Schatten der Flügel Gottes bergen können.
Wie aus Pred 7:12 deutlich wird, hat auch die Weisheit einen schützenden Schatten.

Der Schatten hat eine dämpfende Wirkung

  • Jes 25:5 - wie Hitze in einer dürren Gegend. Du demütigst das Lärmen der Fremden. Wie die Hitze durch den Schatten einer Wolke, so wird der Gesang der Gewalttätigen gedämpft.

Wie der Schatten einer Wolke die Hitze dämpft, so dämpft die Wolke von Zeugen (die Glaubenshelden aus Hebr 11; Hebr 12:1) auch den Gesang der Gottlosen. Die Glaubensbrüder gehören zu dem "Zurückhaltenden", der zuerst weg sein muss (durch die Entrückung), bevor der Gottlose geoffenbart werden kann.

  • 2Thes 2:7-8 - Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft;

Der Schatten versteckt

Eigentlich ist der Schatten eine "dunkle Angelegenheit" und in vielen Fällen einfach nur abgedämpftes und indirektes Licht. Der Umstand, dass Gott in gewissen Situationen die Funktion eines Schattens übernimmt, mag vielleicht etwas erstaunen, da der Schatten ja lediglich eine "dunkle Angelegenheit" und nichts Wesenhaftes ist. Gott, der das Licht in Person ist und in dem gar keine Finsternis ist (1Jo 1:5), übernimmt die Funktion eines Schattens? Der Schatten der Hand Gottes kann verstecken (Jes 49:2) und bedecken (Jes 51:16). So lesen wir immer wieder. Eine ähnliche Situation finden wir auch in 2Mo 33:

  • 2Mo 33:18-23 - Er (Mose) aber sagte: Laß mich doch deine Herrlichkeit sehen! 19 Er antwortete: Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorübergehen lassen und den Namen Jahwe vor dir ausrufen: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme. 20 Dann sprach er: Du kannst es nicht ertragen, mein Angesicht zu sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben. 21 Weiter sagte der HERR: Siehe, hier ist ein Platz bei mir, da sollst du dich auf den Felsen stellen. 22 Und es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, dann werde ich dich in die Felsenhöhle stellen und meine Hand schützend über dich halten, bis ich vorübergegangen bin. 23 Dann werde ich meine Hand wegnehmen, und du wirst mich von hinten sehen; aber mein Angesicht darf nicht gesehen werden.

Mose musste von Gott, vor dem Angesicht Gottes geschützt werden. Das herrliche und hell strahlende Angesicht Gottes, hätte für Mose unweigerlich den Tod bedeutet. Damit die Menschen nicht in den Tod kommen, wenn sie vor dem Angesicht Gottes erscheinen müssen, musste Gott gleichzeitig auch ein schützender Schatten werden. Gott übernimmt die Funktion eines Schattens, der eigentlich nichts Wesenhaftes und nur eine "dunkle Angelegenheit" ist.
Wie aber sieht dieser Schatten, diese schützende Hand Gottes aus? Wie hat Gott sich zum Schatten machen lassen? Hängt es mit dem zusammen, was wir im 2. Korintherbrief lesen?

  • ELB 2Kor 5:21 - Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.

Jesus Christus wird für uns zur Sünde gemacht; er lädt die ganze Sünde des Kosmos auf sich und nimmt sie weg (Joh 1:29). Als Jesus zur Sünde gemacht wurde, war er auch mit der Finsternis dieser Welt bekleidet, so dass er zu einem Schatten, einer dunklen Angelegenheit wurde. Dieser schützende Schatten erlaubt es uns, in die Gegenwart Gottes zu treten, ohne dabei zu sterben. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir die Gerechtigkeit Jesu Christi für uns in Anspruch nehmen. Jesus nahm unsere Sünde und wir sollten uns auch mit seiner Gerechtigkeit beschenken lassen.

Unter dem Schatten von Personen

Der Schatten Gottes

Jeder, der sich im Schatten Gottes aufhält, ist wohl geborgen. Er befindet sich unter dem Schutz Gottes. Viele Psalmisten haben den Schatten Gottes als ein großes Vorrecht und als eine Wohltat angesehen:

  • Ps 36:8 - Wie köstlich ist deine Gnade, Gott! und Menschenkinder bergen sich in deiner Flügel Schatten;
  • Ps 63:8 - Denn du bist mir zur Hilfe geworden, und im Schatten deiner Flügel kann ich jubeln.

Der Schatten des Todes

Es gibt aber nicht nur der wohltuende Schatten Gottes. Auch andere Wesen werfen ihren Schatten und diese Schatten sind alles andere als gut. Wer sich unter den Schatten einer Person begibt, begibt sich auch unter dessen Autorität und Vollmacht. Auch der Tod hat einen Schatten. Das Volk, das in der Finsternis sitzt, sitzt auch im Schatten des Todes:

  • Mt 4:16 - Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Land und Schatten des Todes saßen, ist Licht aufgegangen.»

Durch das Auftreten des Sohnes Gottes und durch die vielen Wunderheilungen hat das Volk, das in der Finsternis saß, ein großes Licht gesehen. Doch offensichtlich war der Schatten des Todes so tiefgreifend, dass die Wunder und die Verkündigung des Herrn, noch keine Veränderung zur Folge hatte. Die mangelnde Buß- und Umkehrbereitschaft, führte zu der Ankündigung eines sehr schweren Gerichtes; eines Gerichtes, das noch schwerer sein wird, als das vom Sodomer Land.

  • Mt 11:21-24 - Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. 22 Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch. 23 Und du, Kapernaum, meinst du, du werdest etwa bis zum Himmel erhöht werden? Bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden; denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag. 24 Doch ich sage euch: Dem Sodomer Land wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir.

Wer sich also in den Schatten des Todes begibt, d. h. unter die Autorität und den "Schutz" des Todes, erntet schwerstes Gericht.

Der Schatten Ägyptens und der trügerische Schutz

Auch zur Zeit des Jesaja gab es Menschen, die den Worten Gottes kein Vertrauen schenkten und sich deshalb unter einen falschen Schutz begaben.

  • Jes 30:1-3 - Wehe den widerspenstigen Söhnen, spricht der HERR, die einen Plan machen, aber nicht von mir aus, und Bündnisse weihen, aber nicht nach meinem Geist, um Sünde auf Sünde zu häufen; 2 die sich aufmachen, um nach Ägypten hinabzuziehen - aber meinen Mund haben sie nicht befragt -, um unter den Schutz des Pharao zu flüchten und um Zuflucht zu suchen im Schatten Ägyptens! 3 Doch der Schutz des Pharao wird euch zur Schande werden und die Zuflucht im Schatten Ägyptens zur Schmach.

Es gibt Dinge, wo wir Menschen darauf vertrauen, dass sie uns Schutz bieten; doch am Ende erweisen sie sich als eine trügerische Hoffnung. Der falsche Schatten, erweist sich am Ende als Schmach. Wie oft vertrauen wir auf unser materielles Vermögen, auf die Versicherungen, auf unser Gesundheitswesen oder auf irgendeinen anderen menschlichen Schutz. Einige vertrauen auf sogenannt positive Mächte und Geisteswesen. Viele vertrauen auf irgendwelche Götter, die nicht wirklich retten können (2Chr 32:13).

Der Schatten der Götter

Der hebräische Begriff für Schatten lautet tsêl (+06738) und er ist auch mit dem Wort tselem (Bild oder Bilder +06754) verwandt. Im zweiten Buch der Könige lesen wir, wie die (Schatten-)bilder des Baal umgeworfen werden. Das hebr. Wort

  • ELB 2Kö 11:18 Da ging das ganze Volk des Landes in das Haus des Baal und riß es nieder; seine Altäre und seine Götzenbilder (hb. tselem) zerschlugen sie gründlich; und Mattan, den Priester des Baal, erschlugen sie vor den Altären. Und der Priester stellte Wachen am Haus des HERRN auf.

Götzenbilder sind Schatten der Götter, resp. der Engelfürsten. Götzenbilder sind nicht nur so genannte "Kunstwerke" von Menschen, sondern sie stehen auch in Verbindung mit Geistesmächten. Götzendienst ist nicht nur ein Hirngespinst von Menschen, sondern eine religiöse Handlung, die auf den Einfluss der Götter zurückzuführen ist. So lesen wir:

  • ELB 5Mo 17:3 - so dass er geht und anderen Göttern dient und sich vor ihnen niederwirft, und zwar vor der Sonne oder vor dem Mond oder vor dem ganzen Heer des Himmels, was ich nicht befohlen habe, ...

Mit dem "Heer des Himmels" sind nicht nur die Sterne und Planeten gemeint, sondern auch Götter, die sich um den Thron Gottes versammelt haben:

  • ELB 1Kö 22:19 Und Micha sprach: Darum höre das Wort des HERRN! Ich sah den HERRN auf seinem Thron sitzen, und das ganze Heer des Himmels stand um ihn, zu seiner Rechten und zu seiner Linken.

Dieses "Heer des Himmels", das um den Thron Gottes versammelt ist, wird in Hiob 1 mit anderen Worten benennt:

  • Hi 1:6 - Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor dem HERRN einzufinden. Und auch der Satan kam in ihrer Mitte.

Diese Söhne Gottes werden in Ps 82 auch als "Götter" angesprochen:

  • Ps 82:1 - Ein Psalm. Von Asaf. Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Götter richtet er.
  • Ps 82:6 - Ich sagte zwar: Ihr seid Götter, Söhne des Höchsten seid ihr alle!

Auch wenn es viele Götter gibt, so dürfen wir doch wissen, dass unser Gott, der Gott der Götter ist (5Mo 10:17) und dass der Gott Israels alle anderen "Götter" ebenfalls erschaffen hat (Kol 1:16). Wer sich Götzenbilder aneignet und sie anbetet, der begibt sich unter den Schatten der jeweiligen Götter, d. h. er begibt sich unter den Schutz von Engelfürsten und er wird dadurch Schaden leiden, weil es nur einen Gott gibt, der bleibend retten kann und das ist der Gott der Götter, der Gott Israels (Jes 45:21). Eine Statue des Baal ist meines Erachtens ein Schatten eines Engelfürsten, unter dem wir auf jeden Fall keinen Schutz suchen sollten.

Der Schatten eines Gottesmannes

Der Schatten eines Mannes Gottes, wirkte sich heilend und stärkend auf die Kranken und Schwachen aus:

  • Apg 5:14-16 - Aber um so mehr wurden solche, die an den Herrn glaubten, hinzugetan, Scharen von Männern und auch Frauen, 15 so dass sie die Kranken auf die Straßen hinaustrugen und auf Betten und Lager legten, damit, wenn Petrus käme, auch nur sein Schatten einen von ihnen überschatten möchte. 16 Es kam aber auch die Menge aus den Städten um Jerusalem zusammen, und sie brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte, die alle geheilt wurden.

Fragen auch wir uns: "Unter welchen Schatten haben wir uns begeben?"

Ein Schatten kann auch zur Sünde verleiten

Der Schatten der Bäume kann zum Huren verleiten (Hos 4:13). Eine sehr angenehme Situation kann auch sehr verführerisch sein. Nachdem sich David ausgeruht hatte und sich auf die Terrasse begab, sah er Batseba und eine große Sünde begann ihren Lauf (2Sam 11:1 ff).

Mit was der Schatten zusammenhängt

Wie wir gesehen haben, sind die Begriffe "Schatten" und "Bild" sprachverwandt. So wie uns die Bilder eines Körpers, eine dreidimensionale Vorstellung des Körpers vermitteln, so geben uns auch die Schattenrisse Hinweise auf das Aussehen des Körpers. In der Bibel wird sehr häufig die Bildrede benutzt, um eine geistliche Wahrheit deutlich zu machen. Als Gott den Menschen schuf, sprach er:

  • ELB 1Mo 1:26 - Lasst uns Menschen machen in unserm Bild (hb. tselem +06754), uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen!

Sowohl der Schatten, als auch das Bild, dürften eine Darstellung unserer leiblichen Hülle sein. Währendem die Welt den Körperkult praktiziert, zeigt uns die Bibel, dass unser Leib nur eine vorübergehende Zelthütte ist, die irgendwann einmal abgebrochen wird und in Bezug auf die Ewigkeit kaum von Bedeutung ist, denn "Fleisch und Blut" können das Reich Gottes nicht erben (1Kor 15:50). In Ps 39:7 lesen wir, dass der Mann nur als ein Schattenbild (tselem) daher wandelt. Wir können also erkennen, dass die Menschen und auch ihre Geschichte eine Art Schattenbild ist. Gerade die alttestamentlichen Geschichten, sind Schattenbilder, die auf den wesenhaften Körper hinweisen, deshalb sagt auch Jesus:

  • ELB Joh 5:39 - Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen;

Durch die Schattenbilder lässt sich ein Körper erkennen

So wie das Schattenbild auf den Körper hinweist, so weisen die alttestamentlichen Geschichten auf den Christus hin. Deshalb schreibt auch Paulus:

  • Kol 2:16-17 - So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, 17 die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst aber ist des Christus.

Auch der Hebräerbrief macht uns auf diese Gegebenheit aufmerksam, wenn wir da lesen:

  • Hebr 8:3-5 - Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um sowohl Gaben als auch Schlachtopfer darzubringen; daher ist es notwendig, dass auch dieser etwas hat, das er darbringt. 4 Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht einmal Priester, weil die da sind, die nach dem Gesetz die Gaben darbringen 5 - die dem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge dienen, wie Mose eine göttliche Weisung empfing, als er im Begriff war, das Zelt aufzurichten; denn «Sieh zu», spricht er, «dass du alles nach dem Muster machst, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist»! -
  • Hebr 10:1-2 - Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst hat, so kann es niemals mit denselben Schlachtopfern, die sie alljährlich darbringen, die Hinzunahenden für immer vollkommen machen. 2 Denn würde sonst nicht ihre Darbringung aufgehört haben, weil die den Gottesdienst Übenden, einmal gereinigt, kein Sündenbewusstsein mehr gehabt hätten?

Somit sind die Stiftshütte, die Opfergesetze (deren Sinn wir oft nicht verstehen können) und der Priesterdienst nur Schattenbilder der zukünftigen und himmlischen Dinge. Wenn man alle Schlachtopfergesetze liest und nur über das äußere Geschehen nachdenkt, dann sieht man nur den Schatten, ohne dabei zu merken, dass es sich hier nur um Bilder handelt, die uns ermöglichen, zu erahnen, wie der Körper aussieht.
Das Schlachten auf dem Altar bei der Stiftshütte, ist nicht nur eine blutige und feurige Angelegenheit, sondern es werden dadurch auch prophetische und heilsgeschichtliche Abläufe sichtbar. Das Feuer des Altars stellt die Gerichte Gottes dar, während dem der Altar selbst, die Liebe Gottes darstellt, die alle Gerichte trägt. Zur Zeit Jesu war man der Ansicht, dass das Opfer das Wichtigste sei, weil das Opfer die Schuld sühnt, doch Jesus belehrt die Juden eines Besseren:

  • Mt 23:18-20 - Und: Wenn jemand bei dem Altar schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei der Gabe schwören wird, die auf ihm ist, so ist er gebunden. 19 Blinde! Was ist denn größer, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt? 20 Wer nun bei dem Altar schwört, schwört bei ihm und bei allem, was auf ihm ist.

Für Jesus war der Altar eindeutig grösser als die (Opfer-)gabe. Diese Erkenntnis kann uns besonders dann erstaunen, wenn wir an die Opfergabe Gottes denken. Wir wissen, dass Jesus Christus das Lamm Gottes ist (Joh 1:29). Was könnte aber grösser sein, als das Opfer Jesu? Paulus macht dies deutlich, wenn er schreibt:

  • 1Kor 13:3 - Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich Ruhm gewinne, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts.

Erst die Liebe Gottes hat das Opfer Jesu Christi geheiligt. Was wäre das Opfer Jesu, ohne die feurige Liebe Gottes. Aus diesen Zusammenhängen geht nun hervor, dass der Altar die Liebe Gottes darstellt, die auch alle Gerichte trägt.

Der Körper ist der Christus

Aus Kol 2:16-17 wurde ersichtlich, dass der Körper, der den Schatten wirft, Christus ist. Dadurch vermitteln uns die biblischen Schattenbilder eine "Ansicht" des Körpers und je mehr Bilder wir gesehen haben, desto mehr können wir erahnen, wie der Körper aussieht. Es geht also immer wieder darum, durch das Schriftstudium und durch die Offenbarung des Heiligen Geistes, den Christus durch die Schattenbilder zu erkennen. So stellen u. a. die Patriarchen und Glaubensvorbilder des Alten Testamentes, Christus von einer ganz bestimmten Seite dar. So sind Adam, Hiob, Jakob, Joseph, Mose, Simson, David, Salomo, Jona usw. alles Christus-Darsteller. Hiob stellt Jesus als den Leidensknecht Gottes dar, während dem Salomo Christus als den Friedefürsten darstellt.

Andere Körper

Nicht jede Begebenheit zeigt uns den Christus. Es gibt natürlich auch etliche Schattenbilder, die uns andere Wesen verdeutlichen. So ist z. B. der König von Babel aus Jes 14, ein Schattenbild auf Satan. Auch der König von Tyrus aus Hes 28 stellt eine andere Person dar. Einige Ausleger sehen in ihm den Tod in Person, während dem Andere hier ebenfalls Satan erkennen.

Mit was der Schatten verglichen wird

Der Schatten als ein Bild auf die Vergänglichkeit

So vergänglich wie der Schatten ist, so vergänglich sind auch unsere Tage, denn der Schatten wird auch mit unseren Tagen auf dieser Erde verglichen (1Chr 29:15 / Hi 8:9). Der Prediger bezeichnet unser Mühen unter der Sonne auch als Nichtigkeit (w. Dunst):

  • Pred 2:11 - Und ich wandte mich hin zu all meinen Werken, die meine Hände gemacht, und zu der Mühe, mit der ich mich abgemüht hatte. Und siehe, das alles war Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind. Also gibt es keinen Gewinn unter der Sonne.

Es ist wichtig zu sehen, dass unser Leben und unser Mühen vergänglich ist, aber wir dürfen auch sehen, dass wir hier ganz entscheidende Dinge für die Ewigkeit lernen, dass wir hier von Gott erzogen werden und dass wir aber auch durch unsere Leiden, die künftige Herrlichkeit säen. Unser Leben hier ist wichtig, aber unser Mühen sollten wir nicht überbewerten. Unser Mühen hat nur dann Ewigkeitswert, wenn Gott es selbst in uns bewirkt (Phil 2:13 / Pred 3:14).

  • Die Tage des Psalmisten, sind wie ein ausgestreckter Schatten (Ps 102:12).
  • Ps 109:23 - Wie ein Schatten, wenn er sich streckt, gehe ich dahin, werde abgeschüttelt wie eine Heuschrecke.
  • Ps 144:4 - Der Mensch gleicht dem Hauch (o. Dunst). Seine Tage sind wie ein vorübergehender Schatten.
  • Im Buch der Richter wird der Schatten der Berge als Männer und Kriegsvolk interpretiert (Ri 9:36).

Der Schatten wird mit den Gliedern eines Leibes verglichen

Hiob sagt über seine Glieder, dass sie wie ein Schatten sind:

  • Hi 17:7 - Und mein Auge ist trübe geworden vor Gram, und all meine Glieder sind wie ein Schatten.

Wie ich bereits erwähnt habe, stellt auch Hiob, Christus als den Leidensknecht Gottes dar. Wer sind die Glieder des Christus? Niemand anders, als die Gläubigen, d. h. die von Gott herausgerufenen Menschen. So sind wir als Glieder des Christus, sein Schatten. Jeder Gläubige stellt in irgendeiner Form auch den Christus dar. Beim Schatten sind nur die Umrisse das Bedeutsame; der Rest ist nur eine dunkle Fläche, also auch eine dunkle Angelegenheit. Diese "dunkle Angelegenheit" kann man durchaus mit dem sündigen Fleisch vergleichen. Dieser dunkle Bereich ist alles Eigene, alles Natürliche, das Selbstsüchtige! Leider schauen wir nur zu oft, auf diesen dunklen Bereich und übersehen dabei den Christus im Bruder und in der Schwester! Der neue innwendige Mensch ist bei allen Gliedern des Leibes vollkommen, da er aus Gott gezeugt und geboren ist.
Es gibt deutlich erkennbare Schattenrisse und andere Schattenrisse können wir kaum interpretieren und trotzdem sind sie Schatten des einen Körpers! So verkennen wir oft, die unscheinbaren und unanständigen Glieder des Leibes Christi. Nicht zuletzt deshalb schreibt Paulus den Korinthern:

  • 1Kor 12:22-25 - sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; 23 und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit größerer Ehre; und unsere nichtanständigen haben größere Wohlanständigkeit; 24 unsere wohlanständigen aber brauchen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben, 25 damit keine Spaltung im Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten.

Wir meinen oft, dass die Schattenrisse, die deutlicher erkennbar sind, besser sind, als die anderen, bei denen der Umriss weniger viel aussagt. Dabei sind beide Schatten gleich schlecht, was ihr natürliches Wesen betrifft, aber Beide stellen vom gleichen Körper unterschiedliche Umrisse dar. Also sind beide gleich wertvoll!

Der Schatten als angenehmer Aufenthaltsort

Wir dürfen der Schatten des Christus sein und in diesem Schatten sollten wir uns auch aufhalten. Das tun wir dann, wenn wir mit den Gliedern seines Leibes Gemeinschaft haben. So lesen wir im Lied der Lieder:

  • Hl 2:3 - «Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes so ist mein Geliebter unter den Söhnen. In seinem Schatten zu sitzen, gelüstet's mich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.»

Die Gemeinschaft mit den Heiligen ist nicht immer einfach, aber sie ist für unseren geistlichen Wachstum das optimale Umfeld. So betont auch der Apostel Johannes:

  • 1Jo 1:3 - was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

Auch in den Klageliedern wird uns etwas von der Kostbarkeit des Schattens verdeutlicht:

  • Kla 4:20 - Unser Lebensodem, der Gesalbte des HERRN, wurde in ihren Gruben gefangen, er, von dem wir sagten: In seinem Schatten werden wir leben unter den Nationen.

Auch hier finden wir den Christus, der seine Seele in den Tod (somit auch in den Scheol, in die Grube) ausgossen hat (Jes 53:12). In seinem Schatten wird einmal das ganze Volk Israel unter den Nationen leben. Wer sich in seinen Schatten begibt, hat einen wunderbaren Aufenthaltsort gewählt. Im neuen Jerusalem, wo einmal keine Sonne mehr benötigt wird, weil sie von der Herrlichkeit Gottes erleuchtet wird und weil da das Lamm die Lampe sein wird (Offb 21:23), wird es wahrscheinlich auch keinen Schatten mehr geben. Spätestens in dem Augenblick, wo Gott alles in allen sein wird (1Kor 15:28), ist auch alles voller Liebe und Licht und der Schatten hat da vermutlich keinen Platz mehr. So wie die Kenntnis (gnōsis) einmal weggetan wird (1Kor 13:8), so dürfte auch der Schatten sein Ende finden!

Weitere Informationen

Predigten und Wortdienste zu diesem Thema

Siehe auch

Literatur

Quellen

Weblinks

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